Sommertheater 2026
11x Chaos
Auf den ersten Blick war es wie immer: Nach der letzten Szene und dem Schlusslied besteigt Regula Ineichen (am Donnerstagabend der letzten Schulwoche) die Bühne und verdankt die Schauspieler, den Chor sowie alle Helferinnen und Helfer vor, hinter und neben dem Vorhang, ehe sie die anwesenden Zuschauer dazu einlädt, den (heissen) Sommerabend noch bei einem kühlen Getränk gemeinsam ausklingen zu lassen.
Was den Moment allerdings speziell machte, war die Tatsache, dass es das letzte Mal war, dass sie das tat, denn Regula Ineichen verlässt die Schule Zell auf Ende des Schuljahres und übergibt damit auch das Wahlfach, das sie vor rund 20 Jahren initiiert hatte, in neue Hände.
Im Rahmen dieses Wahlfachs ist – mit ganz wenigen Ausnahmen (etwa dem Corona-Jahr 2020) – in jedem Jahr ein Sommertheater entstanden, das jeweils in der letzten Schulwoche zur Aufführung kam und damit für einen runden Schlusspunkt des Schuljahres sorgte.
So auch in diesem Jahr. „11x Chaos“ – und damit sind nicht die vielen Proben gemeint, die den Aufführungen vorausgegangen waren, obwohl es auch da durchaus mal chaotisch werden konnte. Nein, es sind die elf Szenen über die elf Jugendlichen, die im Zentrum des Stücks stehen, und die alle ihre eigene Geschichte haben.
Da ist etwa die verwöhnte „Prinzessin“ Elyana, die von allem viel zu viel hat, aber darüber hinaus nicht realisiert, dass sie von den anderen nur ausgenutzt wird. Oder Jordan, der sich als harter Kerl gibt, vor dem alle Angst haben müssen, doch hinter seiner rauen Fassade verbirgt er ein Geheimnis, das so gar nicht seinem Image entspricht.
Und dann ist da Layla, die hin- und hergerissen ist zwischen den Ansprüchen ihrer Mutter und ihrer eigenen Leidenschaft fürs Hockeyspielen. Oder die introvertierte Stella, die sich hinter den Bildern versteckt, die auf die anderen Jugendlichen einen befremdlichen Eindruck machen, auf denen sie aber den Tod ihrer Eltern verarbeitet.
Oder Michail aus Kasachstan, der die Schule vernachlässigt, weil er Drogen vertickt, um seine Familie über Wasser halten zu können…
Und dann taucht da immer mal wieder Manfred auf. Er ist der Spielball der Mobber, die ihn drangsalieren und demütigen, wo es nur geht – und erst als sich die Situation zuspitzt, kommt es zur Konfrontation der beiden Lager, in die sich die Gruppe längst aufgespaltet hat.
Schliesslich raufen sich die beiden Seiten doch zusammen, da man realisiert, dass man sich trotz der Unterschiede eigentlich doch ähnlicher ist, als auf den ersten Blick gedacht, und dass jede und jeder einen Platz in der Gruppe hat.
Text und Bilder:
Michael Bieri und Nico Suppiger



