Regula Ineichen – fast drei Jahrzehnte Erfahrung verlassen die Schule Zell
Insgesamt 29 Jahre lang war Regula Ineichen tätig an der Schule Zell und in dieser Zeit hat sie mit grossem Engagement und schier unermüdlichem Tatendrang das Geschehen an der Schule auf verschiedenen Ebenen massgeblich mitgeprägt – sei es als Klassenlehrerin, als langjähriges Mitglied der Steuergruppe oder natürlich als Musiklehrerin und Leiterin des Wahlfachs „Chor und Theater“, in dessen Rahmen sie auch hauptverantwortlich für die Erarbeitung des alljährlichen Sommertheaters war. Nun verlässt sie auf Ende des Schuljahres 2025/26 die Schule Zell. Höchste Zeit also, um ihr Wesen und Wirken an unserer Schule (und darüber hinaus) Revue passieren zu lassen:
1.) Die wichtigsten Stationen deines Berufslebens:
Nach Abschluss des Studiums in Fribourg als Sekundarlehrerin kam ich nach Zell. Damals war ich die einzige Frau in der Funktion als Klassenlehrerin. Es herrschte Lehrerüberfluss. Deshalb verliess ich die Oberstufe in Zell nach vier Jahren wieder, da dann die Jugendlichen von Luthern nicht mehr das neunte Schuljahr in Zell besuchten und so die Sekundarschule in Zell wieder kleiner wurde. Danach war ich noch kurze Zeit an der damaligen Pflegerschule in St. Urban, die Ende der Achtzigerjahre einer Bildungsreform wich, tätig. 2001 kehrte ich an die Sekundarschule Zell zurück als Fachlehrerin für Naturlehre, Musik und Italienisch. Als meine eigenen Kinder alle aus der Volksschule herausgewachsen waren, wurde ich wieder Klassenlehrerin, zuerst von C-Klassen, dann im Niveau AB. Die Betreuung einer Klasse bringt neben dem reinen Unterrichten noch viele zusätzliche administrative Aufgaben und Gespräche mit sich. Dies ist aufwändig, aber auch spannend.
Da ich noch die Instrumentallehrerinnenausbildung des Kantons Luzern absolvierte, war ich all die Jahre meiner Berufstätigkeit neben der Volksschule in verschiedenen Pensen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene an Musikschulen des Luzerner Hinterlandes tätig. Ich erteilte Einzel- und Ensemble-Unterricht für Blockflöten aller Grössen und für Klarinette. Musikalische Grundkursangebote an Primarschulklassen ergänzten meine Pensen. Heute erteile ich noch Eltern-Kind-Singen, das kleinen Kindern erste freie musikalische Tätigkeiten ermöglicht. Die Arbeit mit Menschen verschiedensten Alters prägte mein Berufsleben. Sie zu begleiten beim Erlernen neuer Fähigkeiten erfüllte mich oft mit Freude.
2.) Die drei grössten Veränderungen gegenüber dem Beginn deiner Lehrerkarriere:
Damals gab es strikt getrennte Real- und Sekundarklassen, es wurde kein Niveauunterricht angeboten. Französisch erlernten die Jugendlichen erst ab der ersten Oberstufe, Englisch konnte in der 9. Klasse gewählt werden. Arbeitsblätter wurden als Wachsmatrizen verteilt, Kopien wurden nur in sehr seltenen Fällen erstellt. Es gab noch keine Computer in der Schule, fast alle Hefteinträge wurden fein säuberlich von Hand geschrieben und schön gestaltet.
3.) Ein Highlight deiner Lehrerkarriere:
Ein Mädchen aus dem Kanton Zürich kam nach mehreren abgebrochenen Heimaufenthalten zu einer Pflegefamilie nach Zell. Endlich fand sie wieder Ruhe in ihrem Leben und konnte bei uns die Oberstufe beenden. Der grosse Dank, die Freude und der ehrliche Stolz ihrer leiblichen Mutter sowie die herzliche Begegnung mit ihr in der neunten Klasse der Jugendlichen ist mir noch im Gedächtnis, als wäre es vor kurzer Zeit gewesen. Mutter und Tochter konnten nach dem Schulabschluss wieder gemeinsam ihren Alltag leben.
4.) Wenn du etwas an der aktuellen Volksschule ändern könntest, was wäre das?
Die Volksschule leidet im Moment sehr stark unter der relativ sinnlosen Individualisierung und an grosser Zersplitterung. Ich würde wieder mehr gemeinsame Beschäftigungen anstreben. Ebenso wäre weniger Lehrpersonenwechsel nach praktisch jeder Lektion sinnvoll. So würde wieder etwas Ruhe in den Schulalltag einkehren. Diese drei Oberstufenjahre sind doch noch prägend vor dem Eintritt ins Berufsleben.
5.) Welche drei Tipps gibst du einer Lehrperson, die am Anfang ihrer Laufbahn steht?
Es ist gut, sich als Begleiterin der Jugendlichen zu sehen und ihnen möglichst viel Wissen und Lebenserfahrung mitzugeben, sowohl mündlich als auch schriftlich. Diese Begleitung erfordert aber viel Zeit und Engagement, auch über die eigentlichen Schullektionen hinaus. Dabei ist es wichtig, die Freude an den positiven Veränderungen der Schülerinnen und Schüler zu behalten. Handfertigkeiten wie etwa eine lesbare Handschrift dürfen weiterhin geübt werden, neben dem digitalen Arbeiten.
6.) Wie sieht deine Zukunft aus?
Da ich nun pensioniert bin, widme ich mich mehr meiner grossen Familie und meinen Hobbies. Zeit mit all meinen Kindern, meinen Grosskindern und meinem Mann zu verbringen, ist toll, abwechslungsreich und auch sehr spannend. Der gemeinsame Austausch mit der nächsten Generation lässt uns ältere Menschen am Puls der Gesellschaft bleiben. Wir haben einen grossen vielfältigen Garten, wo ich gerne verweile, arbeite und Energie tanke. Gerne bin ich mit meinem Hund in den Hügeln des Emmentals unterwegs. Ich lese oft oder nähe Kleider. Und natürlich werde ich weiterhin mit meinen verschiedenen Instrumenten Musik machen, sei es für mich oder bei kleineren Musikprojekten mit anderen Menschen. Ich singe sehr gerne und im Moment widme ich viel Zeit dem Hackbrett. Nicht zu vergessen ist, dass der Tagesablauf nun mehr von mir bestimmt und gestaltet wird als von den beruflichen Vorgaben, worauf ich mich verdientermassen freue!
7.) Kurzfragen:
– In-der-Schule-Arbeiterin oder Zu-Hause-Arbeiterin?
Ich habe oft in der Schule gearbeitet bis zum Abendessen, zuhause war dann Feierabend.
– Teamplayer oder Einzelkämpferin?
Als Teamplayer zu arbeiten, macht mehr Spass und gibt eine grössere Sicherheit im Umgang mit schwierigeren Jugendlichen.
– aufgeräumtes Lehrerpult oder gepflegtes Chaos?
Ein gepflegtes Chaos mit schön geordneten Häufchen nach Fach und Klasse zierte mein Lehrerpult.
– Was machst du lieber: Korrigieren oder vorbereiten?
Vorbereiten ist kreativer; beim Korrigieren ist es jedoch schön zu merken, wenn die Schülerinnen und Schüler die Materie verstanden haben und sie anwenden können!
– in der Pause: Kaffee oder Wasser?
Ich brauchte immer Wasser oder Tee, um meine Stimmbänder zu „ölen“. Kaffee trinke ich am Morgen vor der Arbeit.
– Wandtafel oder Visualizer?
Heute bevorzugte ich den Visualizer, da ich so der Klasse zugewandt sprechen kann. Die Wandtafel diente aber noch für Bilder und organisatorische Informationen aller Art. Von Hand geschriebene Abläufe und Aufträge oder Infoblätter aller Art waren hier platziert.
Wir vom Lehrpersonenteam Zell wünschen dir, Regula, alles Gute für deinen wohlverdienten Ruhestand und bedanken uns ganz herzlich für die in all diesen Jahren geleistete Arbeit!
Text und Bilder:
Michael Bieri / Peter Flückiger / Regula Ineichen